Crowdfunding und Förderungen

Ein P.S. zu David Röthlers  Ausführungen Crowdfunding für öffentliche Anliegen

David greift in seinem Text die Diskussion auf, ob es sich bei Crowdfunding für öffentliche Anliegen, vereinfacht gesagt, um ein unzulässiges Auslagern von staatlichen Aufgaben an private Einzelpersonen handelt oder um Möglichkeiten privater Partizipation und Initiative. Dieses Spannungsfeld beherrscht Reaktionen zu Crowdfunding generell, vor allem im Kulturbereich. Ich werde mich diesem Thema demnächst in einem separaten Text widmen – an dieser Stelle möchte ich, anschliessend an David, auf das konkretere Modellen eingehen, wo Förderung und Crowdfunding zusammenspielen.

In Österreich gibt es dafür noch keine Beispiele und auch in der Schweiz, wo wemakeit seit seiner Gründung 2012 zur grössten Plattform für reward-based Crowdfunding geworden ist, ist noch keine solche Kooperation zustande gekommen – was nicht am Interesse von wemakeit liegt. Beispiele gibt es etwa aus Deutschland und Skandinavien.

Ich halte ein solches Zusammenspiel für eine sehr gute Idee, wenn zwei Umstände gegeben sind:

  • Die Förderung folgt einer ökonomischen Logik oder einer Logik der Öffentlichkeit/Partizipation.
  • Es wird nicht ein grundsätzlicher Förderbereich komplett auf dieses Modell ausgelagert.

Ein Beispiel aus dem Musikbereich: Ich würde nie vorschlagen, die Jahresstipendien für Musiker_innen des SKE Fonds auf Crowdfunding auszulagern – hier geht es gerade darum, aussergewöhnliche Musiker_innen zu unterstützen, die am Markt nicht getragen werden. Der Musikfonds hingegen möchte Produktionen unterstützen, die dezidiert Marktpotential haben und damit den Kreativstandort Österreich aufwerten. Das heisst hier gilt es beim Förderantrag überzeugend darzulegen, dass es einen Markt für die eigene Produktion gibt und eine Strategie diesen zu erreichen – Dinge, die eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne in realiter vorführt. Hier fände ich es passend und spannend neben nach etablierter Weise vergebenen Förderungen einen Crowdfunding-Call auszurufen, bei dem über die Crowd erwirtschaftete Gelder mit denen des Fonds zusammenspielen.

Es gibt dazu ein Beispiel aus der Schweiz, wenn auch mit privaten Geld: Den derzeit laufenden Swisscom Music Booster (http://xtra.swisscom.ch/de/ und https://wemakeit.com/pages/swisscom). Hier hat die Swisscom einen Call an junge Schweizer Bands ausgegeben, auf wemakeit eine Kampagne zu starten. Wenn sie das erste Drittel ihres jeweiligen Finanzierungszieles erreicht haben, legt ihnen die Swisscom das zweite Drittel drauf. Das letzte Drittel müssen sie dann wieder selbst er-funden. Das find ich smart.

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